Für Blöd befunden und degradiert vom Landgericht Hamburg

"University of life" - T-Shirt-Deko

Laut dem Landgericht Hamburg ist „University of Life“ auf einem T-Shirt, wie beispielsweise oben abgebildet, eine Marke und nicht eine Dekoration mit dem Zweck einer humorvollen Selbsauskunft für alle ohne Universitätsabschluß _aber mit_ einem hohen Grad an Bauernschläue oder, wie es vom Englischen ins Deutsche übertragen heute heißt, mit „Streets smarts“.

Laut dem Landgericht Hamburg versteht ein beachtlicher Teil der Bevölkerung kein Englisch also kann es auch nicht sein, dass dieser beachtliche Teil der Bevölkerung sich etwas unter dem Wort University vorstellen kann. Auch das Wort „Life“ ist so unbekannt in dem beachtlichen Teil der Bevölkerung, dass dieser unmöglich den Wortsinn des englischen Begriffes „Life“ kennen könnte. Der beachtliche Teil der Bevölkerung kann University mit Universität natürlich auch _nicht_ assoziieren. Unwahrscheinlich auch, dass der beachtliche Teil der Bevölkerung ohnehin statt University Universität im flüchtigen vorbeigehen lesen könnte. Es ist ja nicht so, dass wir Wörter Buchstabe für Buchstabe lesen, häufig lesen wir Wortbilder und verwechseln dabei schon einmal ähnliche Wörter.

25 Jahre nach dem Mauerfall gibt es in Deutschland nicht mehr viele, die statt Englisch Russisch in der Schule hatten und der englischen Sprache in der Popkultur massiv ausgesetzt waren/sind.

Laut dem Landrichter des Landgerichts ist es zum Verständnis „University of Life“ zwingend notwendig, dass der durchschnittlich gebildete, durchschnittlich aufmerksame, deutsche Durchschnittsbürger auch die Verbindung macht zu „Schule des Lebens“ um den Sinn von „University of Life“ hinreichend zu verstehen. Und ohne es hinreichend zu verstehen, kann das nur als Marke wahrgenommen werden.

Ich gehöre nicht zu dem beachtlichen Teil der Bevölkerung und aufgewachsen in Baden Württemberg, wo auch Hauptschüler Englischunterricht hatten, kenn ich nur eine einzige Person, die etwas Russisch und kein Englisch kann. Ich bin mir sicher, dass dieser Person Deko auf dem Shirt im Allgemeinen schnurz ist und weder die Deko als scherzhafte Selbstauskunft noch als Herkunftsnachweis eines Unternehmens erkennt. Allenfalls ist es blöder Text auf dem T-Shirt, über den er sich weiter überhaupt keine Gedanken macht.

Aber laut dem Landgericht Hamburg rennt die Bevölkerung hierzulande mit Markenscheuklappen durch die Welt. Alles ist Marke.

Alles muss Marke sein, was sonst.

Ich kenn das nicht so und kann diese merkwürdige Weltsicht der Landrichter am Landgericht Hamburg nicht teilen. Eine Marke muss schon extrem bekannt sein, bevor ich mein Sprachverständnis dem Markenrecht unterwerfe und ich wider jeder Wahrscheinlichkeit vermute, dass der Unternehmer will, dass ich eine Unternehmensherkunft erkenne. Nicht dass ich oder irgendeinanderer hier im Land besonders _motiviert_ ist, ein sonst gänzlich unbekanntes Markenzeichen quer über der Brust zu tragen. Der Markeninhaber von „University of Life“, dessen Eigentümer u.a. eine T-Shirtkette betreibt, in der T-Shirts mit Aufdruck und Glitzersteinchen verkauft werden, würde auf seinen T-Shirts sitzen bleiben, würden seine Kunden diese „Marke“ und über 70 andere „Marken“ _nicht permanent_ mit scherzhaften Selbstauskünften verwechseln.

Ich würde ja sagen, Landrichter in Hamburg genießen es, sich auf dem Arm nehmen zu lassen. Hamburger Landrichter nehmen bösgläubige Markenanmeldungen wohl auch dann nicht wahr, wenn sie ihnen ins Gesicht springen.

Andererseits, vielleicht sollten wir die landgerichtliche Erkenntnis nicht vergessen, dass ein beachtlicher Teil der Bevölkerung zu blöd ist „University of Life“ in seinem Wortsinn zu verstehen.

Sehgewohnheit – Wortsinn – Wahrnehmungsgewohnheit

Landrichter in Hamburg werfen gern mit „Sehgewohnheit“ um sich und nehmen „Addidas“, „Microsoft“ und „Apple“ Sehgehwohnheit und übertragen diese auf Worte der Alltagssprache, die, wenn es hoch kommt, die Mitarbeiter des Markenregisters kurzzeitig kennen, der Anmelder, die Richter, denen die Anträge auf Unterlassung vorliegen solange sie vorliegen, die beteiligten Anwälte und die Abgemahnten nach der Abmahnung kennen. Es wäre begrüßenswert, wenn sich Richter am Hamburger Landgericht mehr Gedanken machten über Wahrnehmungsgewohnheiten, Sprachverständnis und warum ein T-Shirt mit Aufdruck gekauft wird.

Sie kämen zu der Erkenntnis, dass eine
Sehgewohnheit
nichts darüber aussagt welche
Wahrnehmungsgewohnheit
wir haben.

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